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Am 4. Juli 1968 fand im bundesdeutschen
Justizministerium ein Treffen von Vertretern der KPD, unter ihnen die
zuvor beim DFS 904 tätig gewesene Grete Thiele, und
Bundesjustizminister Heinemann und seinem Staatsekretär Ehmke statt.
Ritualisierend betonte Thiele zu Beginn des Gespräches, daß inzwischen
ein Konsens in Reihen der Bundesregierung bestehe, die das KPD-Verbot
als „politisch falsch“ betrachte. Heinemann jedoch rekapitulierte
Argumente, die gegen eine Wiederzulassung sprächen. Die KPD-Gesandten
akzeptierten angeblich diese Aussage und nahmen auf das Angebot Bezug,
über eine Neugründung zu sprechen.[1] Um Bedenken zu zerstreuen, daß
eine neue Partei als Nachfolgeorganisation wiederum verboten werden
könnte, wies Heinemann darauf hin, die neue Partei müsse nach Artikel
21 des Grundgesetzes agieren. Dies zeige sich u.a. an einem
demokratischen Aufbau. Die Parteispitze dürfe sich nur nach freien und
geheimen Wahlen zusammensetzen und das Parteiprogramm nicht die
Beseitigung des derzeitigen Staats- und Verfassungsgefüge
beinhalten.[2] Das zuvor neuvorgelegte Programm der KPD enthalte
jedoch wiederum Punkte, die zu ihrem Verbot 1956 geführt hätten.[3]Die
Motivlage für eine Neugründung kam vermutlich aber von jüngeren
KPD-Leuten aus der BRD, die seit 1967 auf eine solche Version
drängten. Nur Ulbricht und Reimann beharrten „auf eine KPD unter
Reimann Führung“.[4]Vermutlich war dies einer der Gründe, warum der
DFS 904 erst einmal weiterlief, auch nach der Gründung der DKP am 26.
September 1968. Viele der älteren KPD Anhänger blieben erst einmal in
Wartestellung.[5] Die DKP setzte sich eher aus der Leuten der dritten
Reihe der KPD zusammen, um eine Verbot als Nachfolgeorganisation zu
verhindern. Der Mann im Hintergrund, Max Reimann, jedoch war wenig
begeistert von der neugegründeten DKP und sah darin eher ein Verrat an
der Partei Thälmanns. Erst als der engere KPD-Kreis um Reimann ihn
massiv unter Druck setzte, stimmte Reimann zähneknirschend zu.
Allerdings rächte sich Reimann an der DKP nochmals mit einem Interview
im „Spiegel“, in dem er die DKP „faktisch in die Pfanne haute“.[6] Der
Sender fuhr in der Zwischenzeit weiter sein Programm auf Linie der
KPD. Reimann wurde in der Zwischenzeit vom Parteivorstand der DKP
weiter bearbeitet, bis er schließlich einwilligte, Ehrenvorsitzender
der neuen Partei zu werden. Dies wäre schon seit 1968 möglich gewesen,
nachdem am 18. Oktober 1968 der Haftbefehl gegen ihn in der BRD
aufgehoben wurde. Am 27. September 1971 war es dann schließlich
soweit: Reimann trat der DKP bei und wurde einstimmig aufgenommen.[7]
Drei Tage später verschwand der DFS 904 sang und klanglos ohne
Abschiedssendung aus dem Äther. Der Beitritt Reimann war aber nur eine
der Gründe, die das SED-PB veranlaßten, den Sender
am 30. September 1971 abzuschalten. Gleichzeitig
betonte die DDR ab 1.Oktober ihre staatliche Abgrenzung gegenüber der
BRD durch Umbenennung des Deutschlandssenders in Stimme der
DDR.[8] Die Parteigruppe am Sender löste sich am 26.10. 1971 auf
und bedankte sich im Abschlußprotokoll bei den Genossen der SED:

Die politische
Lage hatte sich vorsichtig insoweit angenähert, daß ein Sender wie der
DFS 904 als Zeichen des Guten Willens abgeschaltet wurde. Dies ist im
Abschlußprotokoll aber nicht vermerkt oder bewertet worden. Die
bundesdeutsche Presselandschaft ging sogar noch einen Schritt weiter
und deutete die Abschaltung des Senders als eine Geste, mit „der die
DDR das Ende der verfassungswidrigen KPD signalisieren“ wollte, auch
wenn eine Abschaltung des Senders nie in den Annäherungsgesprächen der
Staatssekretäre Bahr und Kohl ein Hauptpunkt gewesen war.[10]
Vielmehr kann
eine weitere Ursache im Wechsel an der Staats- und Parteispitze der
DDR gefunden werden. Walter Ulbricht wurde am 3.Mai 1971 gestürzt, es
folgte Erich Honecker als 1. Parteisekretär. Die KPD verlor dadurch
einen ihrer großen Fürsprecher, der Bedenken gegenüber einer
Neugründung hatte und lieber die alte KPD gesehen hätte. Reimann wurde
als Ehrenvorsitzender der DKP quasi entmachtet und durfte sein
Lebensabend mit dem Erzählen „revolutionärer Geschichten“
verbringen.[11]
Der
Deutsche Freiheitssender 904 hatte ausgedient. Von der KPD blieb
nach 1971 außer dem Ritual, eine Aufhebung des Verbots am Jahrestag
der Verkündigung des Urteils durch das Bundesverfassungsgericht zu
verlangen, nicht mehr viel übrig.
8 vgl. SAPMO – BArch DY30 J
IV2/2/1355 Politbürositzung vom 21.September 1971 14/71. Punkt 6
hält lapidar fest: „Der Sender 904 stellt seine Tätigkeit ein“
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