Infrastruktur des DFS 904
Aufbau, Ausstattung und
Organisation des DFS 904 von 1956-1971
Schon am Abend des 17. August 1956,
dem Tage des KPD-Verbotsurteils des Bundesverfassungsgericht, startete
der DFS 904 mit einer ersten Sendung. Mit einer kurzen Vorlaufzeit in
der Planung des Senders meldete sich die „Stimme der KPD“ als der
„einzige Sender der Bundesrepublik, der nicht unter
Regierungskontrolle steht“ von nun an regelmäßig im Äther, um seine
Sicht der politischen Dinge zu verbreiten. Daß dies tatsächlich jedoch
vom Staatsgebiet der DDR aus erfolgte, konnte nur kurz geheim gehalten
werden, wurde aber von der DDR nie offiziell bestätigt. Schnell
deckten westdeutsche Behörden und die Presse die Sendeanlagen Burg bei
Magdeburg als Ausstrahlpunkt des DFS 904 auf. Schon in finanzieller
und technischer Hinsicht war die „kleine“ KPD von der „großen“ SED
abhängig, um den Betrieb eines leistungsstarken Senders aufrecht
erhalten zu können.
Die Entstehungsphase des
Senders 1956: Aufbau, Ausstattung, Zielsetzung
Der konkrete Planungsbeginn für den
Sender 904 läßt sich nicht mehr genau feststellen. Heinz Priess,
langjähriger Chefredakteur des DFS 904, erinnert sich in seiner
Autobiographie jedoch an den Umstand, der ihn zum Sender brachte.
Anfang August 1956 wurde Priess ins ZK der SED einbestellt, wo er
Herrmann Matern (1893-1971) treffen sollte.[1] Matern, geboren in Burg
bei Magdeburg, trat 1914 aus der SPD aus und schloß sich den
Kommunisten an. In der Weimarer Republik übte er diverse
Funktionärstätigkeiten für die KPD auf regionaler Ebene aus und wurde
1932/33 Mitglied des Preußischen Landtages. Von den
Nationalsozialisten verfolgt, flüchtete Matern bis 1941 durch
verschiedene europäische Länder, um schließlich um 1941 nach Moskau
überzusiedeln, wo er Mitglied im Nationalkomitee Freies Deutschland
(NKFD) wurde. Ab 1945 war er dann zuerst wieder auf Regionalebene
tätig, bevor er 1950 ins Politbüro der SED kam, dem er bis zu seinem
Tode angehörte.[2]
Matern war es, der Priess den
Politbürobeschluß zur Installierung eines Radiosenders mitteilte, um
die Agitation und Propaganda der KPD vor Ort ersetzen zu können. Dies
bedeutete, daß die SED wohl schon vor Anfang August von einem
wahrscheinlichen Verbot der KPD in der BRD ausgegangen war. Ein von
Priess beschriebener Politbürobeschluß der SED ließ sich jedoch nicht
auffinden[3]. Die Marschrichtung gab Matern jedoch in dem
zehnminütigen Gespräch unmißverständlich vor: Elf Jahre nach
Beendigung des Naziregimes werde nun die KPD wiederum verboten. Dies
sei auch als Schlag gegen die DDR zu werten und erfordere deshalb die
Klassensolidarität mit den Genossen der KPD in der BRD. Der wichtigste
Punkt sei dabei die Ersetzung der Propaganda und Agitation vor Ort
durch einen konspirativen Sender, ein Grund, warum beim Gespräch auch
das PB-Mitglied der KPD Oskar Neumann zugegen war[4]. Er sollte in der
ersten Zeit die Grundlinie der KPD bei Redaktionssitzungen
darlegen.[5] Eine weitere Personalfrage wurde ebenso direkt durch
Matern vorgegeben: In der Anfangsphase sollte Rudi Singer (1915-1980),
den Sender „provisorisch“ leiten. In seiner Zeit als Chefredakteur des
Senders mußte Singer seine vorherige Chefredakteurstelle bei der
Freiheit in Halle ruhen lassen, nahm diese dann von 1958 bis 1963
wieder auf. Ab 1963 war er dann Leiter der Abteilung Agitation des ZK
der SED und stellvertretener Vorsitzender der Agitationskommission
beim PB. Von 1966 bis 71 bekleidete er das Amt des Chefredakteurs beim
Neuen Deutschland (ND). Singer, der ab 1967 Mitglied des ZK
war, übernahm schließlich ab 1971 den Vorsitz des Staatlichen
Rundfunkkomitees.
Priess bekam am Ende des kurzen
Gesprächs mit Neumann und Matern die Order, sich bei der Abteilung
Agitation der Westabteilung zu melden, wo ihm nähere Informationen
mitgeteilt würden. Daß Priess und Singer für neue Aufgaben eingeplant
wurden, deckt sich auch mit den Akten des ZK der SED, Abteilung
Agitation, wenn auch nicht vom DFS 904 gesprochen wird. In einer
Beratung der Abteilungsleitung vom 31.Mai wurde über die neue
Redaktion des ND gesprochen und ein PB-Beschluß vom vorgehenden
Tage erläutert, der Singer von einer Beschlußfassung ausnimmt. Auch
auf ein mit Max Reimann am gleichen Tag geführtes Gespräch wird Bezug
genommen, in welchem Reimann darauf hinwies, daß der „Gen. Singer und
auch in Kürze die Genossen Priess und Perk nach Westdeutschland
gehen.“[6]
Priess meldete sich also in der
Westabteilung, wo er von Max Spangenberg (1907-1987) näher instruiert
wurde. Spangenberg, ebenfalls ein Spanienkämpfer und in der DDR seit
1954 stellvertretender Abteilungsleiter bzw. Leiter des Arbeitsbüros
der Westkommission des PB des ZK der SED[7], beauftragte Priess, eine
Redaktion und ein Sendeschema zusammenzustellen. Geld spiele dabei
weniger eine Rolle, ließ Spangenberg wissen, ohne jedoch Beträge zu
nennen. Jedoch lagen die Gehälter beim Sender in der Anfangsphase wohl
deutlich über dem DDR-Durchschnittsgehalt. Priess bekam weiterhin sein
Intendantengehalt von 2000 Mark, eine Cutterin sollte 900 Mark
monatlich, ein Redakteur 1000 Mark bekommen. Im Vergleich dazu bekam
in den 80er Jahren ein mit gleichen Aufgaben betreuter Mitarbeiter
beim DDR-Rundfunk als Anfangsgehalt nur 700 Mark, so Priess.[8]
Unterlagen der SED ZK-Abteilung Verkehr- und Verbindungswesen können
die relativ hohen Gehälter beim DFS 904 bestätigen. Im Jahresplan von
1957 wird ein Gesamtdurchschnittslohn von 543 Mark beim staatlichen
Rundfunk angegeben.[9]
Priess dachte laut eigener Erinnerung bei diesem Auftrag
„sofort“ an den „Soldatensender-Calais“, der im Zweiten Weltkrieg mit
Jazz und Big-Band-Sound, sowie frechen und lässigen Sprechern mit
großer Wirkung Informationen bei den deutschen Landsern einschleuste
und suchte daher auch besonders nach Sprechern mit westdeutschem
Akzent, um einen Sendestandort des DFS 904 in der BRD besser
vortäuschen zu können.[10]
Die Aufgabenstellung des Senders
wurde schon durch die allgemeine Vorgabe seitens Materns gegenüber
Priess beim Gründungsgespräch deutlich. Präzisiert durch das ZK der
SED und den eigenen Vorstellungen der KPD-Führung wurde diese
Grundaufgabenstellung während der gesamten Sendezeit des DFS 904
beibehalten. Priess selbst sah den Sender zwar als „Stimme der KPD“,
aber die Sendungen sollten nicht nur als solche gesehen werden,
sondern vielmehr als eine „oppositionelle Stimme in der
bundesdeutschen Landschaft gelten“.[11] Die Ansage erläuterte dies
allabendlich: „Hier ist der Deutsche Freiheitssender 904! Der einzige
Sender der Bundesrepublik, der nicht unter Regierungskontrolle steht.“
Aus der Endphase des Senders sind Dokumente erhalten geblieben, die
zeigen, daß das Ziel, die vermeintliche Wahrheit in die Bundesrepublik
zu tragen, bis zum Ende aufrecht erhalten wurde. In einer Vorlage für
das PB der KPD hieß es am 24.11. 1968, daß man trotz vorangegangener
DKP-Gründung daran glaubte, die BRD würde auch ohne polizeiliche
Mittel eine legale Verbreitung kommunistischer Druckerzeugnisse
verhindern zu wissen. Die fehlenden „Millionengelder“ erschwerten
zudem die massenwirksame Verbreitung, so daß nur die Avantgarde der
Arbeiterklasse erreicht werden konnte. Daher beschrieb die Vorlage,
die aus der Sendeleitung stammte, den Rundfunk weiterhin als einzige
Möglichkeit, die Masse der westdeutschen Arbeiter zu erreichen und
unterstrich somit die weiterhin geltenden Bedingungen, die 1956 zur
Gründung des DFS 904 führten. Zudem bestehe noch der Vorteil, daß
nicht erst abonniert werden muß, um kommunistische Gedanken nach Hause
zu bekommen:
„Der Funk ist darum geeignet, größere
Kreise anzusprechen, schneller zu reagieren und unmittelbarer zu
wirken. Wahrscheinlich hat jede Funksendung mehr Hörer, als alle
unsere Zeitungen zusammen an Lesern haben. Es steht nicht die Frage
„Zeitung oder Funk“, vielmehr ist der Funk die Ergänzung und
Untermauerung für das Wirken der Parteipresse. Die Aufgabe und die
Rolle des Deutschen Freiheitssenders 904 in der gegenwärtigen Periode
besteht darin, als Sender, der sich gegen die Politik des Militarismus
und Imperialismus in der Bundesrepublik, gegen den Abbau der
demokratischen Freiheiten und gegen die Ausbeutung der Arbeiterklasse
wendet, durch Argumente, Fakten und Kommentare die Politik unserer
Partei massenwirksam zu verbreiten. Die Erfahrungen der Funkarbeit
zeigen, daß besonders bei zugespitzten Situationen, sowohl
international also auch im Land selbst, der Sender zum wirksamsten
(weil schnellsten) Informations- und Kommunikations-Instrument wird.
Das trifft besonders bei verschärften Klassenauseinandersetzungen, bei
Streiks und Demonstrationen, sowie bei Polizeimaßnahmen oder
militärischen Konflikten zu. In diesen Fällen ist der Sender nicht nur
Agitator, sondern ein Mittel der Mobilisierung und Anleitung. Der
Sender kann schließlich, da er ohne Verbotsdrohung arbeiten kann,
durch Enthüllungen, die von DDR-Sendern nicht gebracht werden können,
ein wirksames Instrument der antibonner Politik sein.
Die
Aufgabe des Senders besteht also in erster Linie darin, den
Massenmedien der herrschenden Kräfte in der Bundesrepublik
entgegenzuwirken und den politisch-ideologischen Kampf unserer Partei
zu unterstützen. Er muß in dieser Funktion eine wichtige Lücke sowohl
in der täglichen Agitation als auch in der vor uns stehenden
ideologischen Auseinandersetzung schließen."[12]
Da eine solche Aufgabenstellung
nicht durch eine mobile Sendeanlage in der Bundesrepublik umzusetzen
war, aber trotzdem der Anschein erweckt werden sollte, aus dem
bundesrepublikanischen Untergrund zu senden, schwieg man sich über den
Sendestandort während der gesamten Lebensdauer des Senders aus. In
einer dem Verfasser vorliegenden, nicht datierbaren Stationsansage
meldete man sich ironisch mit: „ Hier ist der Deutsche Freiheitssender
904. Standort: Links von Bonn!“
Die Infrastruktur des Senders
1956-1971
Der tatsächliche Sendestandort
war Reesen bei Burg in der Nähe von Magdeburg. Über einen der
beiden Sendemasten wurde 904 dazugeschaltet, um durch Grenznähe und
günstiger Ausbreitung nach Norden und Süden von Westdeutschland das
Zielpublikum gut erreichen zu können. Vom Sendestandort war dies
eine gute Ausgangslage, jedoch hätte man dazu auch eine
störungsfreie Frequenz benötigt. Anfangs benutze man die exakte
namensgebende Frequenz von 904 kHz, wanderte aber in den Jahren auf
etwa 908 kHz, was aber bei den damaligen Empfangsgeräten nicht
weiter auffiel. Ursprünglich war die Frequenz dem sowjetischen
Sender Radio Wolga zugeteilt, der Sendungen für ein
„Hilfskomitee zur Rückführung russischer Emigranten in die Heimat“
ausstrahlte, aber schon seit längerer Zeit außer Betrieb war.
Insgesamt stand eine recht starke Sendeleistung von 250 kW zur
Verfügung, die allerdings durch starke Interferenzen der
Nachbarkanäle beeinträchtigt wurde. 904 quetschte sich regelrecht
zwischen den Sender Mailand sowie die BBC-London und begrenzte
dadurch eine bei ähnlicher Sendeleistung zu erzielende Reichweite
erheblich.[1] In westdeutschen Rundfunk-Fachzeitschriften wurde
immer wieder von einer Abschirmung gesprochen, die DDR-Techniker
installiert hätten, um den Empfang in der DDR unmöglich zu
machen.[2] Vermutlich gab es durchaus Überlegungen, eine solche
Abschirmung zu installieren, technisch ließ sich diese jedoch nicht
realisieren. Die Sendeanlage des DFS 904 bestand aus zwei
Rohrmasten, wobei der westliche Mast als Strahler und der dahinter
stehende als Reflektor benutzt wurde. Bei einer Leistung von 250 kW
ließ sich jedoch keine „Dämpfung“ in Richtung DDR realisieren,[3]
was auch die vielen Zuschriften aus der DDR bezeugten, die der
Sender bekam, als er Ende der 60er Jahre ein Postfach einrichtete.
Betriebstagebuch
Sendeanlage Burg, 17. August 1956

Als Studio stand dem Sender immer
eine Einrichtung des Staatlichen Rundfunks der DDR zur Verfügung,
von dort kamen auch die Technikerinnen und Techniker zum Sender, die
nicht der KPD, sondern ausschließlich der SED angehörten.[4] Die
ersten Sendungen kamen noch aus dem Hauptgebäude des DDR-Rundfunks
in der Nalepastraße in Berlin. Das Sendestudio nahm sein erstes
festes „Gast-Domizil“ daraufhin in Grünau ein, auf einem Gelände
eines Ausweichstudios des DDR-Rundfunks, wo auch die technischen
Gerätschaften schon
Grünau, Regattastrasse
(Gebäude wurde auch von der "Gesellschaft für Sport und Technik"
genutzt)

vorhanden gewesen waren.[5] 1957
wurde jedoch das „Versteck“ immer bekannter, ein weiterer Umzug
stand an, um die Konspiration wahren zu können. Selbst die
BRD-Presse erhielt später den Hinweis auf den genauen Standort des
Sendestudios:
Regattastrasse 277, Berlin-Grünau.[6]
Da war die Redaktion jedoch schon wieder
umgezogen, diesmal nach Friedrichshagen, wo man sich in einem
Waldstück heimlich in einer Villa einrichtete. Diese war eine
ehemalige Ausbildungsschule des DDR Rundfunks, deren Gelände auch
von der Volkspolizei genutzt wurde. Erst Mitte der 60er Jahre bekam
der Sender ein eigenes Domizil, für damalige Verhältnisse großzügig
in Anwesen und Studiotechnik ausgestattet. Diese letzten Jahre
verbrachten die Redaktion und das Sendestudio in Bestensee bei
Königs-Wusterhausen, auf einem abgeschirmten Gelände direkt am See
(dem sog. "Seechen").[7]
 Studio
innen
Redaktion / Gelände
Bestensee

Ohne Hilfe der SED war also gar
nicht an einen Aufbau eines Geheimsenders zu denken gewesen,
schließlich hatte die KPD keinerlei technische Ausrüstung zur
Verfügung. Auch das technische Know-how kam von SED-Seite, so daß
sich am Sender eine Organisationsstruktur gemischt aus KPD und SED
herausbildete.
Konspiration als
Grundverständnis und ihre Umsetzung
Die SED half ihrer
Schwesterpartei auch bei Umsetzung der Konspiration im Alltag. Neben
der zuvor erwähnten Verschleierung der Produktionsstätten sollte
auch die offizielle Betätigung der Beteiligten in der DDR
verschleiert werden, um den Status eines Geheimsenders aufrecht
erhalten zu können.
Die offizielle Anstellung der
Mitarbeiter des Senders erfolgte daher auch unverfänglich bei der
SED ZK-Abteilung Verkehr – und Verbindungswesen. Von dort kamen auch
die Gehälter am Monatsende, immer in Form von Bargeld in einem
Umschlag.[19]
Konkrete Konspirationsmaßnahmen
prägten die Situation am Standort des Studios vor Ort. Immer wieder
wurden den Mitarbeitern Vorschriften zur Geheimhaltung des
Standortes eingeschärft. Selbst das Privatleben der Mitarbeiter
hatte sich nach konspirativen Regeln zu richten. Oberstes Gebot war
die „Schweigepflicht über die Tätigkeit für alle, auch gegenüber den
engsten Familienangehörigen hin, auch gegenüber staatlichen Organen
der DDR hin. Was in dieser Beziehung zu regeln ist, geht über die
Leitung des Hauses.“[20] Im vorgefundenen Dokument ist selbst der
Standort nicht festgehalten, statt dessen wird nur der Begriff
„Objekt“ für den Standort Regattastraße und „Neues Objekt“ für
Berlin-Friedrichshagen verwendet. Den Mitarbeitern war es untersagt,
sich in der Nähe des Standortes vom S-Bahnhof (gemeint ist
wahrscheinlich der S-Bahnhof Friedrichshagen) von Verwandten und
Bekannten abholen zulassen, bzw. sich mit diesen dort vor oder nach
der Arbeit zu verabreden. Vor diesen durfte auch nichts über die
Arbeit verlautbart werden, auch nicht auf indirekten Wege, z.B.
durch Bestätigung auf eine Frage hin: „Nicht Bestätigung für Dinge
geben – auch nicht in der Form: du weißt ja, ich brauche nichts zu
sagen, kannst Dir ja vorstellen.“ Telefonate aus dem Objekt durften
nur im Ausnahmefall geführt werden, auch wenn eine direkte
Telefonkontrolle mit Belegzetteln nicht eingeführt wurde. Über
Sendemanuskripte sollte ebenso nicht allzu laut diskutiert werden,
wie mit weiteren Angestellten des Objekts über inhaltliche Dinge der
Sendungen. In allem hatte der konspirative Grundsatz zu gelten:
„Sage es dem, der es wissen muß und nicht dem, der es wissen
könnte.“[21] Nachweislich ab 1962 werden stärker Decknamen zur
Verschleierung der richtigen Identität eingesetzt, zuvor waren
Mitarbeiter mit dem Vornamen genannt worden. Das Kollektiv nannte
sich als ganzes mit dem Namen „Valentin“. Heinz Priess ist „Robert“,
Erich Glückauf nannte sich je nach Funktion im Sender oder bei der
KPD zuerst „Rüdiger“, später auch „Thomas“.[22] Begründet wird dies
immer wieder mit dem Selbstverständnis und der Aufgabenstellung des
Senders:
„Wir sind keine
normale Parteieinheit wie im Sinne eines volkseigenen Betriebes in
der DDR oder sonst einer Parteieinheit im legalen Rahmen. Wir sind
auf einen Posten gestellt – und das scheint bei uns manchmal etwas
verloren zu gehen – wir haben eine politische Schlüsselposition in
der Agitationsarbeit unserer Partei. Das ist auch die Einschätzung
unseres Zentralkomitees. Und alle Genossen, die aufmerksam die
Zusammenarbeit zwischen uns und dem Politbüro verfolgen, werden
merken, daß seit langer Zeit das Politbüro und das ZK unserer Partei
uns in jeder Beziehung eine große Unterstützung geben. Wir stehen in
der vordersten Linie des Parteikampfes mit den besonderen Umständen.
Im Hitlerfaschismus mußte man dies vom Ausland aus machen. Wir sind
heute in der DDR eine illegale Institution in einem legalen Rahmen
auf dem Boden der DDR. Wenn wir auch illegal wären, der dauernden
Verhaftungen, der dauernden Sicherungen des Objekts ausgesetzt usw.
ausgesetzt würden, dann würden wir uns heute nicht mit
Nachtzuschlägen, mit übergroßer Männerfreundlichkeit von Frauen zu
befassen haben. Wir haben uns damit zu befassen, wie wir uns enger
zusammenschließen, um unsere großen Aufgaben zu erreichen.
[...]“[23]
Sendestudio
Friedrichshagen zu Berlin
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