Das Programm des
Deutschen Freiheitssender 904
Schema und Analyse
Das Grundgerüst der Programme bestand während der gesamten Lebensdauer des DFS 904 aus einer abwechslungsreichen Mischung von aktueller Schlagermusik und Wortbeiträgen. Die Musik wurde kurzerhand von Radio Luxemburg oder auch dem RIAS mitgeschnitten und dann wieder in die eigenen Programme eingefügt. Auch aktuelle Plattenkäufe in der BRD waren nicht selten. Da es in der BRD wohl eine Abmachung gab, daß die neusten Schlagermelodien erst einmal in den Plattenläden verkauft werden sollten, um Mitschnitte vom Rundfunk zu unterbinden, hatte der DFS 904 schon durch Nichtbeachtung dieser Abmachung einen Vorteil um die Hörergunst.[5]
Die sog. „Eidechsen“ waren jedoch nicht vermeintliche Agentendurchsagen, sondern ein reines Stilmittel, um die Konzeption des Senders als Geheimsender zu unterstützen. Die Redaktion dachte sich jeden Tag neue Eidechsen aus, um die Hörer an einer vermeintlichen geheimen Durchsage, die zumeist mitten in die Musik gesprochen wurde, teilhaben zu lassen und gleichzeitig zu unterhalten. War es wirklich einmal von Nöten, Genossen in der BRD zu warnen, wurden diese Informationen der Wichtigkeit wegen am Anfang der Sendung platziert, z.B. bei drohenden Hausdurchsuchungen. Dies stellte aber eine Ausnahme dar.[8]Ein weiteres Mittel, die angeblich erschwerten Arbeitsbedingungen den Zuhörern zu vermitteln, war das Verwenden eines Brummtons, der während einiger Sendungen über das Programm gelegt wurde, um somit die Bedrohung durch westliche Störsender zu demonstrieren. Auch unterbrach man in den ersten Jahren der Sendetätigkeit teilweise das Programm, um es kurz darauf mit dem Hinweis auf den Peilwagen der Bundespost, der sich dem ersten Sendestandort genähert habe, von einem angeblich zweiten Sendestandort weiterzuführen.[9]
1: vgl. Fricke, S.474 f.; vgl. Helmut Bergmann: Freiheitssender – und Soldatensender – eine deutsche Episode. In: Funk Amateur 4-01, S. 376 f.; vgl. auch Feature DLRADIO.
2 vgl. Scheer, Roter Schwarzfunk, S. 18. Scheer nimmt Bezug auf einen Artikel in einer Kurzwellen Klub-Zeitschrift, in der sich ein Hörer in Brake/Unterweser zu diesem Thema äußert.
3 Dieser Hinweis stammt von Helmut Bergmann.
4 laut Interview mit Adolf und Christa Broch. Christa Broch stellte allerdings eine Ausnahme dar: Sie kam als Mitglied der FDJ zum Sender, wurde nach zwei Jahren in die SED aufgenommen, um darauffolgend aus Proporzgründen zwischen Arbeiter und Angestellten wieder ausgeschlossen zu werden.
5 vgl. ebd.
6 vgl. Gerd Scharnhorst: „904“ ruft Steckenpferd. Nicht aus Westdeutschland, sondern aus Ost-Berlin – Pirat auf Funkwellen. Die WELT vom 14.08.1960. (SAPMO-BArch BY1/2303–ohne Blattzählung)
7 vgl. Priess, S.282.
8 SAPMO-BArch BY1/2312. 28. 04.1960. Das Zahlenverhältnis läßt jedoch kein Rückschluß auf die Gewichtung der SED zu, da diese hauptsächlich die technische Seite stellte.
9 vgl. ebd. 20.10.1958.
10 ebd.
11 vgl. SAPMO-BArch BY1/2312 vom 28.04.1960.
12 vgl. Priess, S.283.
13 vgl. SAPMO-BARCH BY1/2312 vom 20.3.1958.
14 vgl. ebd. BY1/2600 Sitzungen des PB der KPD, keine Blattzählung. 19.9.1962.
15 vgl. Unsere Zeit (UZ) 20.4.2001. http://www.unsere-zeit.de/3316/s0202.htm. Carlebach äußerte sich nie öffentlich zu seiner Arbeit beim DFS 904.
16 Dies teilte mir Adolf Broch im Interview mit: „Die Parteiführung ging immer davon aus, daß der `liebenswerte Halunke` Alleingänge macht. Deshalb konnte er nicht da Chef sein, obwohl er im Grunde genommen die größte Autorität hatte.“
17 vgl. Wer war wer in der DDR? S. 400f.; vgl. SAPMO-BArch DY30/ J IV 2/2/661, Blatt 6. Politbüro Sitzung der SED 37/59 vom 28.7.1959. Adolf Broch konnte sich nicht erinnern, Jungmann beim Sender gesehen zu haben und vermutet auch eine Art Wiedergutmachung.
18 vgl. Priess im DeutschlandRadio.
19 Dies teilte mir Adolf Broch mit.
20 Genosse Heinz (vermutlich Heinz Priess) in der Parteiversammlung vom 11.7.1959. SAPMO-BArch BY1/2312.
21 vgl. SAPMO-BArch BY1/2312.
22 vgl. DeutschlandRadio; vgl. Klarnamen-Schlüssel in Findbuch SAPMO- BArch BY1/Band2/S.280-283. Adolf Broch teilte mir mit, daß man sich die Namen selber aussuchen konnte.
23 Heinz Priess auf der Parteiversammlung vom 9.11.1957. SAPMO-BArch BY1/2312. Die Diskussion ging u.a. über die Arbeitsbedingungen. Viele der Mitarbeiter wohnten quasi hauptsächlich im Objekt, was natürlich auch zu Reibereien führte.
24 vgl. ebd 11.7.1957.
25 so Adolf Broch im Interview. Auch Heinz Priess äußerst sich dazu, daß insbesondere die Vorgänge in der CSSR eine starke Belastung bei der Erklärung der KPD-Linie darstellten. vgl. Priess, S.305.
26 Thomas (Erich Glückauf) in der Vorlage über die Bedeutung, Rolle und Aufgaben des Deutschen Freiheitssenders 904 vom 24.11 1968. SAPMO-BArch BY1/2927, Politbüro der KPD.
Konspiration:
1 vgl. Priess, S.276.
2 vgl. Wer war Wer in der DDR? S.557.
3 vgl. Priess S. 277. Es ist jedoch durchaus möglich, daß der Beschluß deswegen im SAPMO-BArch nicht aufzufinden war, weil es sich um eine reine Verabschiedung einer protokollarisch nicht näher erläuterten Vorlage in den Akten des PB der SED handelt.
4 vgl. ebd.
5 laut Interview mit Adolf u. Christa Broch.
6 SAPMO-BArch DY 30/IV 2/9.02/5/ Blatt 142.
7 vgl. Wer war Wer in der DDR?, S.808.
8 vgl. Priess, S. 279; 282. Allgemein läßt sich über die finanzielle Ausstattung über diese Information hinaus, wie auch schon zuvor angemerkt, nichts feststellen.
9 vgl. SAPMO-BArch DY30/ IV 2/6.05/81 Blatt 6-11.
10 vgl. Priess, S.281.
11 ebd. S.282 f.
12 SAPMO-BArch BY1/2927. Thomas (Erich Glückauf): Vorlage über die Bedeutung, Rolle und Aufgaben
